Sofia Part I
Der Flug selbst verlief angenehm reibungslos. Mag vielleicht auch daran liegen, dass ich die meiste Zeit dann doch noch meinen Schlaf gefunden hatte.

In Sofia angekommen wurde ich dann schon gleich abgeholt. Auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt hatte ich dann schon die erste Möglichkeit ein wenig von der Umgebung mitzubekommen. Auch bei dem Rundgang den wir, gleich nach ein wenig Essen und einer wohltuenden Dusche, gemacht haben bestätigt sich das gemischte Bild. An allen Ecken und Enden sind doch recht viele Verfallserscheinungen die wohl auch sehr mit dem Niedergang des Warschauer Packts zu tun haben, sichtbar. Nicht weit von der Wohnung meiner Gastgeber steht auch eine gigantische Bauruine. Auch viele der Häuser haben schon lange einen Bedarf nach einer Renovierung. Aber wenn man dann durch die Stadt läuft sieht man auch überall richtig schöne Plätze und Gebäude als direkten Kontrast. Auch ist es so, dass oftmals nur die Fassade bröckelt aber es von innen dann schon wieder ganz anders aussieht. Auch hatte ich den Eindruck, dass die Menschen hier in Sofia sehr viel Wert auf Kultur in Form von Theater, Oper und ähnliches legen.
Dem hiesigen Goethe-Institut statteten wir auch einen kleinen Besuch ab. Schon lustig mitten in Sofia eine kleine, aber ordentlich gefüllte, deutsche Bibliothek zu haben.

Sehr fasziniert hat mich das weitläufige Oberleitungsbus-System hier. Ich hatte zwar schon mal, aus Interesse, einiges darüber gelesen, so etwas aber noch nie in Aktion gesehen. Wobei es den Anschein hat, dass diese alten Busse auch langsam durch modernere und vor allem frei fahrende Dieselmaschinen abgelöst werden.
Auch interessant war ein kleiner Flohmarkt mit allen möglichen und vorwiegend alten Krims-Krams. Von einer alten Hand-Leica Kamera über Säbel bis hin zu Nazi-Helmen und SS-Dolchen. Ich könnte ewig über solche Flohmärkte schlendern.
Zum Abend bleibt eigentlich nur zu Sagen, dass das bulgarische Bier durchaus genießbar ist. Zudem ist 66 auch schon in diese Breitengrade vorgedrungen und ich habe gleich mal wieder verloren… In letzter Zeit irgendwie kein Glück beim Kartenspielen

Am Mittwoch ging es dann wieder in die Innenstadt. Hier gibt es für umgerechnet 60-80 Cent echt rieeeßige Pizzastücke, die dazu auch noch sehr, sehr lecker sind. Wir haben uns dann auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut, darunter auch eine der größten Kirchen in Sofia - der Alexander-Newski-Kathedrale. Eine relativ moderne Kirche, ungefähr zur gleichen Zeit wie St. Josef in Memmingen errichtet, aber die beiden Kirchen könnten vom Stil her nicht unterschiedlicher sein.

Nach dem kleinen Rundgang und einer äußerst leckeren heißen Schokolade (Wieso kostet die heiße Schokolade in Deutschland das dreifachte, schmeckt aber nicht einmal halb so gut?) habe ich meine Gastgeberin hier beim der ersten praktischen Fahrstunde begleitet. Ich musste mich hinten zusammenreisen nicht laut los zu lachen, da mich so ziemlich alles (inklusive Slalomfahren) an meine eigene erste Fahrstunde erinnert hat. Gut, bloß die Sprache war ein wenig anders
Da wir recht spät wieder zuhause waren, haben wir uns dann eigentlich nur noch einen gemütlichen Abend gemacht.
Heute (Donnerstag) hieß es schon früh aufstehen, da ich mit zur Schule gegangen bin. Deutsch und Latein standen auf dem Stundenplan. Ersteres war natürlich schon sehr interessant und ich konnte mich auch aktiv beteiligen (Ja, ich kann das wirklich wenn ich will!). Latein war dann doch eher ein wenig langweilig. Aber doch auch eine Erfahrung, mal eine Schule in einem anderen Land von Innen zu sehen und auch den Unterricht mit zu bekommen. Es waren bloß nicht all zu viele Schüler da, da meine Gastgeberin im Abschlussjahrgang ist und dort sich doch einige freinehmen um lieber schon auf die Prüfungen zu lernen.
Leider gab es auch hier wieder einen Wintereinbruch. Die letzten zwei Tage waren relativ schön, aber heute hat es bei einem eisig kalten Ostwind den ganzen Tag nur geschneit. Dementsprechend ist auch leider die Planung ein wenig durcheinander geworfen worden. Aber das tut meiner guten Laune auch keinen Abbruch. Man kann sich auch bei schlechtem Wetter gut beschäftigen… Mit Poker zu Beispiel
Am 2. März 2009 um 19:48 Uhr
Na ob die Ruinen auf den Niedergang des Warschauer Paktes, immerhin ein militärisches Bündnis als Gegengewicht zur NATO, zurückzuführen sind ist doch mehr als zweifelhaft.
Liegt dann doch eher an Planwirtschaft und dem Unvermögen, der gänzlich unvorbereiteten sozialistischen bulgarischen Wirtschaft sich auf dem Weltmarkt zu behaupten.
Den Flöhmärkte von denen du schreibst bin ich auch begegnet. Ein sehr großer war direkt vor der Alexander-Newski-Kathedrale, die ich auch noch als äußerst schön in Erinnerung habe. Mich haben diese ganzen Nazi-Devotionalien eigentlich mehr erschreckt als fasziniert. Zumal ich viele davon für mitunter plumpe Fälschungen hielt.
Schade ist, das du, anscheinend wohl aus Zeitmangel, nicht aus Sofia herausgekommen bist. In der Nähe ist glaube ich noch ein Palast von Schiwkow wo man mal sehen kann wie dieser sozialistische Führer gelebt hat. Unvorstellbar.
Wie sieht es denn mit der Küche aus? Was für Gerichte hast du gegessen? Hast du den bulgarischen Schnaps getrunken? Das Bier hat mir damals auch gut geschmeckt.
Wie immer, ich will mehr mehr mehr!
Am 2. März 2009 um 19:58 Uhr
Klar liegt es eher an der Planwirtschaft und der assimilation in die “normale” Weltwirtschaft. Ich wollte bloß die Oststaaten in ein Wort fassen. Man möge mir die kleine geschichtliche Unkorrektheit verzeihen.
Ja die Kirche war wirklich sehr schön. Bloß im Inneren leider sehr sehr dunkel. Die Rituale der Orthodoxen wirkten allerdings sogar für mich katholischen ein wenig befremdlich
Der Flohmarkt ist auch wirklich nur um die Ecke in einem kleinen Park. Das vieles Fälschungen sind, wie du schreibst, stimmt durchaus. Faszinierend fand ich es in diesem Sinne, dass es so viele solcher Nazi-Sachen gerade dort gab. Ich verstehe nicht wer das alles kaufen soll? Aber die anderen Antiquariaten Dinge waren wirklich cool
Ja ich wäre auch sehr gerne auch aus Sofia rausgekommen, aber das wurde weniger durch Zeitmangel als durch das schlechte Wetter verhindert. Es war eigentlich geplant an einem Tag zum Wandern in das Gebirge zu gehen.
Zum Essen und Trinken schreibe ich vielleicht im nächsten Teil noch mal etwas.
Am 2. März 2009 um 20:26 Uhr
Eine letzte Frage noch.
Ich weiss ja nicht inwiefern ihr euch über das Thema unterhalten habt. Aber das Thema der osmanischen Besatzung is in Bulgarien ja nochn großes Ding. Entsprechend einseitig ist auch die bulgarische Sicht auf die Dinge.
erinnert mich etwas an diese Szene aus Life of Brian:
What have the Romans ever done for us?
Am 2. März 2009 um 20:34 Uhr
Mmmh also als ich dort war, war der Gedenktag für Wassil Lewski, einem der Revolutionären. Den Kränzen und Blumen an seinem Denkmal nach zu urteilen wird er wohl sehr verehrt von den Bulgaren. Ansonsten habe ich soweit auch nur mitbekommen, dass immer von der Befreiung von den Osmanen die Rede war. Wohl auch ein wenig einseitig. Aber all zu viel habe ich nicht darüber geredet.